May 02, 2008

applied cultural studies on new zealand and germany

der weibliche olli schulz hat mir die tage einige herzzerreißende zeilen geschrieben, den neuen titel meines blogs "... to friends going away, friends leaving and friends coming back." aufgreifend.
dass in ´schland ein ganzer arsch leute auf mich wartet, die schon planen von wo sie das auto abziehen können, um mich vom flughafen abzuholen. (das problem, dass 5 leute plus moi nich in ein normales auto passen und niemand hinten in den särgen von bruders vaters leichenwagen mitfahren will, erfuhr ich 2 tage später. hat der pferd gelacht!)
da hab ich dann ein bisschen in die tastatur geweint (und, oh wunder, oh wunder, das funzt als instant-heuler: jedes mal wenn ich die stelle lese, muss ich weinen. herrlich!).
und es hat mich mal wieder dran erinnert, wo zu hause is.
dass es ein segen ist, eines zu haben.
und warum mir das so fehlt.
warum ich da immer wieder hin zurück muss, wie der lachs den strom hoch, zu der stelle, wo er geschlüpft is.
weil da halt prozentual doch die meisten menschen wohnen, die ich "meine freunde" nenne. und wenn nich in bielefeld, dann in höxter, berlin, saarbrücken und osnabrück. aber halt in ´schland.

und dann merke und denke ich mittlerweile, dass ich vielleicht doch ziemlich starke wurzeln hab. deutsche mein ich.
den stempel trägt man ja im ausland auf der stirn spazieren. "foreigner" steht da drauf. oder bei mir mittlerweile "german teacher".
für jemanden, der vor 3 jahren noch durch australien geirrt ist und jeden abend von woanders weg war, nur nie aus deutschland, ist das eine ganz schöne entwicklung. plötzlich der representant von ´schland zu sein. und nicht nur das, es fühlt sich sogar gut an und macht spaß. kurse von neuseeländischen studenten ihr imaginäres wochenende in bielefeld planen lassen. wenn im german film club der von mir gezeigte "im juli" abgefeiert wird.
zugucken wie die augen groß werden, wenn man erzählt, dass man als kind im osten um bananen anstehen musste.

zudem bemerke ich an mir selber eigenschaften und werte, die ich als "deutsch" erachte.
smalltalk machen kann ich zwar mittlerweile ganz gut. wie oft ich am tag "thank you!" sage und wie oft ich mich für kleine sachen entschuldige, die nich meine schuld sind, habe ich aufgehört zu zählen. meine pünktlichkeit beschränkt sich auch nur noch auf wenn ich unterrichten muss.
dafür merke ich immer wieder, dass im englischen die wörter für "freund" und "bekannter" die selben sind.
kennt ihr die theorie, wonach man nur sachen wahrnehmen kann, für die man in seiner sprache wörter hat? ich glaube, das is so ein fall. jeder hat 1000 "friends", aber trotzdem bleibt das allermeiste davon total an der oberfläche und das spektrum von dem, was man "friend" nennt reicht halt von den arbeitskollegen bis hin zu den menschen mit denen du aufgewachsen bist und durchs feuer gehen würdest.

zudem gibt es hier irgendwie keine hoffnung und keine perspektive.
weil die hier mit ihren toughen, nie frierenden ärschen auf diesen inseln in der mitte von nix sitzen (das nächste was zivilisation is, is goddamn australia, was ja alleine schonmal sowas von remote is....) und keine einschläge hören, was draußen in der welt passiert.
ich werd ja jetz erwachsen und sophisticated (jaha, bildungsbürger und so, ne jan?), und lese deswegen von zeit zu zeit zeitungen oder magazine mit weltpolitischen themen.
aber die findet man hier nich. die tageszeitung hat 2 seiten über die welt, der rest ist übers pie-backen des hausfrauenvereins und welcher dumme touri mal wieder beim wildwasserrafting in queenstown unterm stein ersoffen is.

und weil das ideal hier ist, immer gut drauf und furchtbar relaxed zu sein, kriegen die meisten leute ihre gefühle nicht kanalisiert.
und deswegen saufen sich die kids sich jedes wochenende die hucke voll und schmeißen party pills, damit sie die ganze wut und das lachen, die albernheit und den frust, dass nix passiert, rauslassen können; ofiziell.
und die, die es so immernochnich hinkriegen, die zu weich sind oder zu traurig, die schnüffeln erst klebstoff und tun sich speed und koks und crystal rein und nehmen dann später heroin.
und dann kommt wieder eine sms auf kyles handy rein, dass sich jemand von früher ausa schule ne überdosis verpasst hat.


ich will noch immer nich immer in deutschland leben. aber halt auch nich immer woanders.
weil, komisch isses überall, jeder ort hat seine seltsamen, mitunter bescheuerten und annoying issues. das gelobte land, wo alles schön is, die landschaft und die städte, und alle sind freundlich zueinander und haben sich lieb und die kulturszene is super und das wetter auch gibbes nich.
irgendwas is immer.